Der Mythos der schwarzen Seele

Mit den geschwungenen, schwarzen Lettern auf roten Etikett ist der AN/2 der zweifelsohne bekannteste und erfolgreichste Weinexport Mallorcas. Denn nicht nur auf der Balearen Insel, sondern in mittlerweile mehr als 45 Exportmärkten gilt der Name Anima Negra als Gesetz für Qualität mit starkem und durchdringendem Callet-Charakter. Ob Mallorquiner, Resident oder Urlauber, jeder scheint die Bodega Anima Negra zu kennen und man hat das Gefühl als gehöre ÁN ebenso zur Insel, wie die Kathedrale zu Palma und der Hafen zu Andratx. Zwar ist der Begriff der schwarzen Seele in Jedermanns Kopf, dennoch scheint es, als sei die Herkunft und Geburtsstätte der weltweit für Furore sorgenden Weine „noch“ unbekannt. Mit dieser Ungewissheit liegt der Mythos der schwarzen Seele über der Insel.

Was nun aber wirklich hinter Anima Negra steckt, was sich hinter dem Mythos verbirgt und wer die wahre Seele des Weines ist, diesen Fragen sind wir mit großer Neugier nachgegangen. Wo wir die Antworten gefunden haben? In mitten zwischen Felantix und Nirgendwo, zwischen Barrique und Betontanks, Schlauchgewirr und Bürokunst, gebettet, ja fast gefesselt in einer anderen Welt. In einer anderen Welt? Wenn man den Wein-Fanaten des AN-Gespanns vertraut, dann leben sie hier rund um die Bodega in der Quibia-Welt. Quibia bezeichnet gleichzeitig auch den Namen des einzigen Weissweins, ein Cuvée aus Prensal Blanc und Callet, dass mit einer gesunden Frische und der gewollten Frucht, Freude macht.

Quibia steht für eine unberührte Welt in der Man(n) mit Freunden, Familie und guten Weinen lebt. Hier spielt die Zufriedenheit und der pure Genuss die Musik. Was andere als buddhistisches Nirvana bezeichnen, ist für das quer denkende Winzer-Duo ihre individuelle Quibia-Residenz, welche sie durch den An- und Ausbau ihrer Weine hegen und pflegen.

Der Weg zur für uns noch fremden Welt, führt uns unwegsam über Stock und Stein, aber letztendlich doch an unser Ziel, dem Weingut und ÁN-Stammhaus „Possessio“ Son Burguera. Von dem kreativen Miquel Angel Cerda und dem strategischen Kopf Pere Ignasi Obrador empfangen, werden wir entführt in jene unbekannte Weinwelt, deren Produkte jedoch schon seit 1994 Freunde des guten Geschmacks mit ursprünglichem mallorquinischen Wiedererkennungswert begeistern.

Interne Bodegageheimnisse oder gar Tabu-Themen gibt es nicht. Ehrlich, spontan und doch gut überlegt, stehen die Vorzeigewinzer uns Rede und Antwort, während sie uns durch die heiligen Hallen des Mythos Anima Negra führen. Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Anwesen, war damals wie heute perfekt zur Weinbereitung. Jede Menge Platz hatten die Jungs 1994, damals noch mit Francesc Grimalt an ihrer Seite, um die ersten Versuche der schwarzen Seele Mallorcas zu vinifizieren. Heute, 15 Jahre und Traubenernten später, sieht man die große Nachfrage der Weine in jeder noch so kleinsten Ecke. Es geht nicht mehr um eine Handvoll Barriquefässer und ein paar Zeilen Manto Negro, Fogoneu, Prensal und vor allem Callet. Hier spielt mittlerweile das große Business die erste Geige. Damit auch wirklich alle 45 Märkte weltweit mit den beliebten Tropfen aus Felanitx bedient werden können, wird hier vinifiziert was die Betontanks hergeben und zum Reifen in Barrique über Barrique geschichtet.

Wo gearbeitet wird, fallen Späne

Hier sieht man, dass auch in der Quibia-Welt geschufftet wird; und wie. Trotz der regen Beliebtheit und des Erfolges der Weine, packen hier alle mit an. Die engagierten Winzer, das Team, aber ganz bestimmt auch die Familien Cerda und Obrador, die ihre Finger mit im Spiel haben. Denn hinter noch so starken Männern, stecken starke Frauen, die an dem Mythos der schwarzen Seele wohl nicht ganz unbeteiligt sind.

Venga, let´s go!!!" - Ànima-Negra-Winzer rührt Werbetrommel in kultiger US-Internet-Sendung

Man nehme einen hektisch quasselnden US-Moderator mit dem Wortwitz eines Harald Schmidt sowie einen mallorquinischen Winzer, der sich radebrechend in Englisch versucht, setze sie vor eine Kamera und lasse sie wild über Wein "talken". Aus "we are brothers-in-law", also: "Wir sind verschwägert", kann dann schnell "we are brothers in love" werden, also ineinander verliebte Brüder. Eine unfreiwillige Komik, die irre witzig rüberkommt. Und ganz nebenbei Lust weckt, genau jene Weine zu probieren. Der US-Moderator ist Gary Vaynerchuk, ein russischstämmiger Weinhändler in New Jersey, der mit seinen im Internet ausgestrahlten Talkrunden über Wein im US-Markt für Furore sorgt. Allein dadurch stieg der Jahresumsatz seiner Weinhandlung in nur fünf Jahren von vier auf 60 Millionen Dollar. Als erster Winzer aus Mallorca war bei Vaynerchuk Miquel Àngel Cerdà zu Gast (www.winelibrarytv.com, siehe Episode 797). Der Winzer aus Felanitz der Bodega Ànima Negra präsentierte drei Tropfen seines Weingutes. In US-Fachkreisen sind die Callet-Weine geläufig, denn Ànima Negra war mit die erste Inselbodega, die sich den US-Markt erschloss.

"Wie groß ist Mallorca?", will Vaynerchuk wissen. "Maximal 90 Kilometer von Küste zu Küste, zirka 60 Meilen", antwortet Cerdà. "Das kann man ja laufen! Ihr könnt von Küste zu Küste laufen?!", staunt der Moderator. "Ja", antwortet Cerdà, "aber für uns ist das alles sehr groß." Nettes Geplänkel, bei dem auch zu erfahren ist, dass der weiße "Quíbia" von Ànima Negra bei Vaynerchuk 17 Dollar kostet. "Wollen wir ihn jetzt probieren?", fordert der Moderator Cerdà zum Einschenken auf. Da gibt sich der Mallorquiner gewandt weltmännisch: "Venga, let´s go!"

Die Weine: Anima Negra Son Negre Tinto, Anima Negra AN Tinto, Anima Negra AN/2 Tinto, Anima Negra Quibia Blanco